Angedacht

...von Pfarrer Josef Jirasek

Das 18. Jahr im 21. Jahrhundert geht zu Ende. Manchmal erinnere ich mich daran, wie ich als kleiner Junge Augen und Mund weit aufgerissen habe, wenn ich von jemandem hörte, der im vergangenen Jahrhundert geboren ist.

 

Meine Enkel werden wahrscheinlich auch irgendwann so denken und fühlen. Und ich merke, wie schnell sich doch Perspektiven verändern. Was gestern sozusagen noch ganz weit weg und irgendwie unerklärlich oder wundersam war, ist heute für mich selbst Realität und noch kann ich es nicht glauben, dass irgendwann jemand über mich sagt: „Stell dir vor, der ist im vergangenen Jahrhundert geboren. 1958. Wahnsinn. Was der alles erlebt haben muss. Die erste Fahrt zum Mond. Der Mauerfall. Das erste Handy. Die ersten Computer, Laptops, Tablet-PCs!“ Und ich hoffe sehr, dass dann nicht noch zusätzlich irgendein Krieg erinnert werden muss. Das gehörte nämlich immer zu dem, was mir einfiel: Kaiserreich, 1. und 2. Weltkrieg. Die ersten Autos und Telefonapparate.

 

In Deutschland und in großen Teilen Europas dürfen wir einerseits froh sein, dass bereits mehrere Generationen keine direkten Kriegserfahrungen gemacht haben. Da hat man aus der Geschichte gelernt und die richtigen Konsequenzen gezogen. Andererseits ist diese Erde weltweit von sehr vielen Kriegen und gewalttätigen Auseinandersetzungen geprägt. Das kann uns nie gleichgültig sein. Wir leben alle gemeinsam auf diesem einen Planeten, der niemandem gehört, der uns geliehen ist. Wir sprechen von der Schöpfung Gottes, für die wir als Ebenbilder Gottes größte Verantwortung tragen.

 

Dass wir Menschen dieser Verantwortung im Kleinen wie im Großen nie auch nur annähernd gerecht werden, wird in allen biblischen Schriften aufgegriffen. Die Weihnachtsgeschichte nach Matthäus zeigt das in besonderer Weise, wenn König Herodes versucht, mit tödlicher Gewalt seine Macht zu sichern.

 

Die Geschichte der christlichen Religion beginnt mit der Flucht von Josef und Maria, die ihr Kind retten wollen. Sie sind Asylsuchende in Ägypten. Kein Wort davon, dass man sie dort zurückgewiesen hätte.

 

Wenn wir heute Weihnachten feiern, dann steht die Hoffnung im Mittelpunkt, die Hoffnung auf Frieden. Es soll ein „Frohes Fest“ sein und ja, das soll es auch gerne bleiben.

 

Wir dürfen uns dennoch daran erinnern, was alles zu diesem allerersten Jahrhundert gehörte: Jesu Geburt und seine Flucht, seine Auslegung der Heiligen Schrift, insbesondere der 5 Bücher Mose, sein Eintreten für alle Menschen jeder Generation und jeden Geschlechts, seine Auseinandersetzungen bis hin zu den Konsequenzen, die sich daraus ergaben.

 

Wenn er bei allen Erfahrungen, auch mit seinen Jüngerinnen und Jüngern, irgendwann sagt: „Ich gebe euch ein neues Gebot, nämlich dass ihr euch untereinander liebt“, dann haben wir eine Handlungsanweisung, über die wir gerne immer wieder ins Nachdenken kommen dürfen und an der wir uns orientieren können.

 

Ich wünsche uns allen ein nachdenkliches, gesegnetes Weihnachtsfest und freue mich wieder auf die vielen segensreichen Bemühungen im neuen Jahr 2019, die den Worten Jesu in unserer Zeit Gestalt geben.

Ihr Josef Ladislav Jirasek 

13.12.2018