Angedacht

...von Pfarrer Josef Jirasek

Liebe Gemeinde,

 

die Passionszeit beginnt in wenigen Tagen. Sie wird immer noch von vielen bewusst gelebt. Sehr unterschiedlich, sehr individuell.

 

Der Verzicht auf irgendetwas gehört für viele mit dazu. Süßigkeiten stehen wahrscheinlich an oberster Stelle, Alkohol auch. Ganz verzichten oder zumindest teilweise. Das fällt nicht ohne weiteres leicht.

 

Sieben Wochen ohne. Mehrere Organisationen bieten Fastenaktionen an. Eine führt sogar genau diesen Namen. „Sieben Wochen ohne“, jedes Jahr mit einem anderen Schwerpunkt. „Sieben Wochen ohne Lüge“ heißt der in diesem Jahr. Kann man schon mal drüber nachdenken. Wer hat nicht schon irgendwann einmal zu einer Notlüge gegriffen? Zugunsten des Gegenübers oder auch zugunsten von einem selbst. In den 10 Geboten wird die Frage auch aufgegriffen, allerdings in einem spezifischen Zusammenhang. „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!“ So heißt es dort und meint viel mehr als die verkürzte Aussage „Du sollst nicht lügen“. Jedenfalls regt die Aktion „Sieben Wochen ohne Lüge“ zum Nachdenken an.

 

Nach-Denken. Nachdenken heißt zurückblicken, das eigene Verhalten reflektieren. Es geschehen so viele Dinge, manchmal an nur einem Tag oder sogar in noch kürzerer Zeit. Erst danach wird mir bewusst, was da genau war. Wie ich mich verhalten habe. Was gut war, was ich zukünftig unterlassen müsste. Ja, nach-denken ist immer wieder angesagt. Für jeden Menschen.

 

Eigentlich auch in jeder Zeit, aber irgendwie bietet sich die Fastenzeit, bieten sich diese 7 Wochen in besonderer Weise an.

 

Das katholische Hilfswerk Misereor fragt mit dem neuesten Hungertuch zur Fastenaktion „Mensch, wo bist du?“ Mit dieser Frage sucht Gott die ersten Menschen im Paradies, mit dieser Frage werden wir nun angeregt, unser Verhalten als Teil dieser Welt zu reflektieren.

 

Oder eine weitere Aktion: das „Autofasten“. Hier geschieht nichts Automatisches. Es fastet auch kein Auto. Aber es wird bewusst reflektiert, welche Bedeutung das Autofahren für uns hat. Was uns selbstverständlich ist. Wo wir unter Umständen auch auf die eine oder andere Fahrt verzichten könnten.

 

Das sind keine Fragen, die man sich zum Vergnügen mal zwischendurch stellt. Das sind Fragen, die Auswirkungen haben. Auf mich selbst, auf diese Gesellschaft, auf die Erde, auf diese Schöpfung Gottes insgesamt. Auch hier lohnt sich das Nach-Denken und ist für jede gute Entwicklung in der Zukunft unerlässlich. Also: denken wir nach.

 

Ich wünsche uns allen dem entsprechende vorösterliche und österliche Tage und bei allem Gottes Segen.

Ihr Josef Ladislav Jirasek 

19.03.2019