Angedacht

...von Pfarrer Josef Jirasek

Liebe Gemeinde,

 

was nehme ich mit in die vor mir liegende Zeit? In die Sommerzeit. Es könnten die Erfahrungen des vergangenen Jahres sein. Am liebsten die schönen. Die Erwartungen, die ich hatte, am besten die erfüllten. Und da gibt es sicher einiges. Ich muss nur darüber nachdenken.

 

Eigenartig, das Schöne bleibt einem gar nicht immer in Erinnerung. Nur, wenn ich wieder genau hinschaue und überlege, was ich in jedem Monat des vergangenen Jahres getan habe. Wenn mir der eine oder andere besondere Tag wieder einfällt. Dann merke ich, was mich trägt, was mir Kraft gibt und Hoffnung für jeden neuen Tag, um noch einmal etwas ganz Neues anzupacken oder wieder etwas Bewährtes, vielleicht auch in abgewandelter Form.

 

Ja, ich glaube schon, das ist der bessere Weg. Der Alternative dazu begegne ich jeden Tag: In Nachrichtensendungen wird mir der Eindruck vermittelt, dass nichts gerade läuft. Zeitungen versuchen mit Negativmeldungen auf den Titelseiten den Umsatz zu steigern. In Gesprächen höre ich immer wieder, was Angst bereitet, was früher besser war. Womit Kinder wohl in Zukunft noch leben müssen. Wenn sie eine Zukunft haben.

 

Ja, sie haben eine Zukunft. Eine, die ganz anders sein wird als meine. Es wird ihre Zukunft sein. Und sie werden sie auf ihre Art und Weise gestalten. Und sie werden sich diese Zukunft auch nicht im Vorhinein schlechtreden lassen. Und mal ganz ehrlich: Gegenüber dem, was Menschen in den ersten 50 Jahren des vorigen Jahrhunderts erlebt haben, dürfen sie doch auch mit einem gewissen Grund zuversichtlich nach vorne blicken.

 

Ich rede die Welt nicht schön. Und was schiefläuft, muss auch benannt werden. Ich möchte mich nicht damit abfinden, dass Lebensbedingungen weltweit so ungerecht sind und auch nicht damit, dass der Schöpfung in den letzten 100 Jahren nachweislich mehr Gewalt angetan wurde durch uns Menschen als jemals zuvor.

 

Und dennoch will ich weiterhin mit Zuversicht nach vorne blicken, will mich tragen lassen von dem, was gelungen ist, was Mut gemacht hat. Ich will leben. Aus den guten Erfahrungen und mit dem Blick auf die Welt, auf die Schöpfung Gottes, für die zu leben und sich einzusetzen allemal lohnt. Das nehme ich mit in die vor mir liegende Zeit.

 

In diesem Sinne grüße ich Sie von ganzem Herzen

Ihr Josef Ladislav Jirasek  

16.06.2019