Presbyteriumswahlen

Bei der Suche zählt Ehrlichkeit

Interview mit Beate Ludwig, soziologische Dezernentin der Gender- und Gleichstellungsstelle, über die Aufgaben des Presbyters, der Presbyterin. Gezielt und aufrichtig sollten Gespräche mit möglichen Kandidaten und Kandidatinnen für das Ehrenamt geführt werden. Auch Wünsche an die Gemeinde sollten Thema sein.

 

Frau Ludwig, bei der Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten kommt der Punkt, an dem Personen auf ihre Bereitschaft angesprochen werden müssen. Worauf ist dabei zu achten?

 

B. Ludwig: Auf Ehrlichkeit. Das ist das A und O. Ich finde es immer wieder furchtbar, wenn jemand geködert wird mit Sätzen wie: „Ach, das sind einmal im Monat drei Stunden Sitzung. Das schaffst du doch!“

 

Was sollte stattdessen gesagt werden?

 

B. Ludwig: Zunächst muss der Zeitumfang deutlich angesprochen werden. Zur monatlichen Presbyteriumssitzung ist ja noch die Vor- und Nachbereitungszeit hinzuzurechnen. Und es wird gewünscht, dass Presbyterinnen und Presbyter in Ausschüssen und bei Projekten mitarbeiten sowie regelmäßig den Gottesdienst besuchen.

 

Dann muss erklärt werden, welche Aufgaben ein Presbyterium hat. Entscheidungen über den Haushalt und Personal gehören dazu. Nach dem Gemeindefest noch den Grill zu putzen, nicht. Den Kandidatinnen und Kandidaten sollte auch unbedingt gesagt werden, was die Kirche ihnen zu bieten hat: zum Beispiel Fortbildungen und Erstattung von Fahrt- und Kinderbetreuungskosten.

 

Und ich finde es wichtig, danach zu fragen, was Kandidierende von ihrer Kirchengemeinde wünschen, um sich zu einer Mitarbeit entscheiden zu können.

 

Wie können Bedenken in Bezug auf eine Kandidatur – etwa wenn eine Fähigkeit bereits ausreichend vorhanden ist – angesprochen werden?

 

B. Ludwig: Auch in diesem Fall hilft nur Ehrlichkeit. Ich habe von einem Presbyterium gehört, in dem es vier Juristen gibt. Wenn sich da noch ein fünfter bewirbt, macht das unter dem Aspekt der juristischen Kompetenz keinen Sinn. Mit den Interessierten muss darüber und über mögliche andere Schwerpunkte im Presbyterium gesprochen werden. Und möglicherweise ist auch nicht jede Person, die sich für die Mitarbeit im Presbyterium interessiert, für diese sehr verantwortungsvolle Aufgabe wirklich geeignet.

10.09.2019