Angedacht

...von Pfarrer Josef Jirasek

Da kommt jemand aus unserer Gemeinde aus einem Urlaub an der Nordseeküste zurück. Mit einer Postkarte. Die sie in einem Geschäft entdeckt hat. Einer „Freikarte zum Besuch eines Gottesdienstes in der St. Petri-Kirche in Burhave“.

 

Die Aktion finde ich faszinierend. Ich nehme Kontakt auf zur dortigen Gemeinde. Der Verantwortliche hat nichts dagegen, wenn wir die Idee übernehmen. Im Telefongespräch sagt er ganz beiläufig: „Ich bin ab und zu im Saarland. In einem Ort namens Gräfinthal. Den werden Sie wohl nicht kennen.“ „Doch, ich wohne 5 Kilometer Luftlinie entfernt.“ „Ach ja, ich bin dort bei alten Freunden, die den Gräfinthaler Hof betreiben.“ „Und deren Eltern waren mal Küster in unserer Kirchengemeinde.“

 

Ist das nicht klasse? Spätestens da war der Damm gebrochen. Wir haben uns auch bereits getroffen. Norbert war Anfang November im Saarland und hat uns besucht. Ein Mann voller Elan. Mit mehr als nur dieser einen Idee, die wir übernehmen. In diesem Gemeindebrief ist sie auch mit aufgenommen. Er hat noch mehr in seine Gemeinde eingebracht. Unter anderem eine Fragebogenaktion wie die Zukunft der Kirchengemeinde weiterhin positiv gestaltet werden kann. Auch davon dürfen wir in unserer Gemeinde profitieren und wer weiß, vielleicht gründen wir auch eine Partnerschaft mit der Gemeinde an der Nordseeküste. Ein Ausflug mit Jugendlichen dorthin ist schon ins Auge gefasst.

 

Ja, Norbert ist voller Elan und hat uns auch mitgerissen. Wir waren einer Meinung, dass wir als christliche Kirche etwas zu sagen und zu bieten haben. Tu Gutes und rede darüber. Wir haben auch zu gesellschaftlichen Entwicklungen etwas beizu- tragen. Er möchte das in einem Gottesdienst in der Adventszeit verdeutlichen. Den Weihnachtsbaum will er mit Einkaufsquittun- gen statt Lametta und Weihnachtskugeln schmücken. Davor die Weihnachtskrippe stellen und fragen: Was ist uns eigentlich wichtig an diesem Fest? Ja, so kann man drüber ins Nachdenken kommen, obwohl ich einschränkend sage: Die kritische Rückfrage ist wichtig, wir stellen sie uns alle. Gerade wenn Ende August die ersten Adventskalender in den Geschäften ausliegen. Aber es tut doch auch sehr gut, wenn wir aneinander denken und uns, auch mit einem Geschenk, an Weihnachten erfreuen.

 

Ich wünsche uns deshalb beides: das nachdenkliche Innehalten über die weihnachtliche Botschaft und die Freude über eine Aufmerksamkeit, und sei sie noch so klein.

Ihr Josef Ladislav Jirasek

09.12.2019