Gottesdienstimpuls für Christi Himmelfahrt (21. Mai 2020)

 

Gottesdienst-Impuls
Christi Himmelfahrt 2020



Himmelfahrt. Was ist das eigentlich?
Vatertag. Klar. Spazierengehen. Machen viele. In diesem Jahr vielleicht weniger, aber immer noch viele. Mit anderen Männern unterwegs sein. Stimmt für viele auch. Nicht nur für Väter. Alles klar.
Aber Himmelfahrt? Ein schwieriges Fest. Vielleicht aus dem Grund immer mehr zum Vatertag geworden?

Wir nähern uns dem Fest mit einigen Versuchen. Mehr kann es nicht sein. Wir nähern uns dem Fest in diesem virtuellen Gottesdienst, den wir wie alle unsere Gottesdienste feiern: Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes. Amen

 

Ein erster Versuch: Die Bibel.


Engel haben zu den Jüngern gesagt: Jesus ist euch viel näher, als ihr denkt. Die Jünger waren sehr traurig. Verständlicherweise. Doch dann wurden sie ruhig, ganz ruhig. Ja, es stimmte, was die Engel gesagt hatten.
So steht es in der Bibel: Jesus führte sie hinaus in die Nähe des Dorfes Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Da wurde er vor ihren Augen emporgehoben, eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird wiederkommen. Er ist euch viel näher als ihr denkt!“ Als die Engel so sprachen, wurden die Jünger ganz ruhig.

Gebet
Guter Gott, schenke auch uns Ruhe und Frieden und die Gewissheit: Du bist und  bleibst uns viel näher als wir denken.

Begleite uns auf unserem Weg. Heute und morgen, auch wenn er ganz anders ist als erwartet. Bist du uns nicht gerade dann viel näher als wir denken? Amen.

Ein zweiter Versuch: Antwort auf die Frage eines Kindes

Ein Kind fragt seine Mutter: „Der Himmel ist doch da oben, oder?“ – und es zeigt in die Luft. „Welchen Himmel meinst du?“, fragt die Mutter. „Na, den Himmel!“ „Meinst du den Himmel, an dem die Wolken sind und wo die Flugzeuge fliegen?“, fragt die Mutter geduldig weiter. „Nein, den richtigen Himmel“, antwortet das Kind, „wo die Engel sind.“ Da sagte die Mutter: „Der Himmel, den du meinst, ist dort, wo Gott ist, und Gott ist überall. Deshalb ist auch der Himmel nicht irgendwo über uns, sondern überall – in uns und um uns herum.“

Lied 611 Der Himmel geht über allen auf
Der Himmel geht über allen auf, auf alle über, über allen auf. Der Himmel geht über allen auf,  auf alle über, über allen auf.

Ein dritter Versuch: Durch bewusste Suche

Ein unbekannter Autor schreibt diese  Geschichte: Es waren zwei Mönche, die lasen miteinander in einem alten Buch, am Ende der Welt gebe es einen Ort, an dem der Himmel und die Erde sich berühren. Sie beschlossen, ihn zu suchen und nicht umzukehren, ehe sie ihn gefunden hätten. Sie durchwanderten die Welt, bestanden unzählige Gefahren, erlitten alle Entbehrungen, die eine Wanderung durch die ganze Welt fordert, und alle Versuchungen, die einen Menschen von seinem Ziel abbringen können. Eine Tür sei dort,  so hatten sie gelesen. Man brauche nur anzuklopfen und befinde sich bei Gott. Schließlich fanden sie, was sie suchten. Sie klopften an die Tür. Bebenden Herzens sahen sie, wie sie sich öffnete. Uns als sie eintraten, standen sie zu Hause in ihrer Klosterzelle. Da begriffen sie: Der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren, befindet sich auf dieser Erde - an der Stelle, die uns Gott zugewiesen hat.

Gebet
Gott, dein Wort will Richtung weisen, damit wir nicht herumirren und ohne Orientierung sind. Darum sammeln wir unsere Gedanken zu dir hin, dass wir zur Stille finden aus der Unruhe unseres Alltags. In der Stille bringen wir vor dich, was uns beschäftigt.
(Stille)
Ja, Gott. Das bitten wir. Amen

Ein vierter Versuch: Unbewusst, im Tun

Helder Camara, brasilianischer Theologe erzählt diese Geschichte: Zwei Lastkutscher kamen mit vollgeladenen Eselskarren einher. Die Wege waren verschlammt, und die beiden Karren fuhren sich fest. Einer der beiden Kutscher war fromm. Er fiel dort im Schlamm auf die Knie und begann, Gott darum zu bitten, er möge ihm helfen. Er betete, betete ohne Unterlass und schaute zum Himmel. Währenddessen fluchte der andere wütend, arbeitete aber. Er suchte sich Zweige, Blätter und Erde zusammen. Er schlug auf den Esel ein. Er schob am Karren. Er schimpfte, was das Zeug hielt. Und da geschah ein Wunder: Aus der Höhe stieg ein Engel nieder. Zur Überraschung der Kutscher kam er jedoch demjenigen zur Hilfe, der geflucht hatte. Der arme Mann war ganz verwirrt und rief: „Entschuldige, das muss ein Irrtum sein. Sicher gilt die Hilfe dem anderen.“ Aber der Engel sagte: „Nein, Gott hilft dem, der sich müht.“

Gebet
Guter Gott, wenn wir unterwegs sind auf dem Weg, wenn Umwege und Irrwege, die wir gegangen sind, uns belasten, auch auf den Wegen, die vor uns liegen, dann begleite uns. Wenn wir von einem Abschnitt unseres Lebens in den nächsten gehen, wenn wir lernen müssen, allein zu sein, auch wenn wir Trauer und Schmerz aushalten müssen, begleite uns. —  Wenn wir vom Dunkel ins Licht gehen, wenn wir lernen müssen, dir zu vertrauen, wenn wir lernen müssen, dir zu folgen, wenn wir lernen müssen, von dir zu erzählen, wenn du so vom Himmel auf die Erde kommst, begleite uns.

Ein fünfter Versuch: Im Gebet Salomos anlässlich des Tempelbaus

Salomo trat vor den Altar des Ewigen angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus gen Himmel und sprach: Ewiger, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen; der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast. Denn sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, Ewiger, mein Gott, auf dass du hörst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir: Lass deine Augen offen stehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein. Du wollest hören das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte betet, und wollest erhören das Flehen deines Knechts und deines Volkes Israel, wenn sie hier bitten werden an dieser Stätte; und wenn du es hörst in deiner Wohnung, im Himmel, wollest du gnädig sein.

Ein sechster Versuch: In einem Lied aus dem 18. Jahrhundert

Jesus Christus herrscht als König
1) Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß.
Aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muss.
2) Fürstentümer und Gewalten, Mächte, die die Thronwacht halten, geben ihm die Herrlichkeit;
alle Herrschaft dort im Himmel, hier im irdischen Getümmel ist zu seinem Dienst bereit.
3) Gott ist Herr, der Herr ist Einer, und demselben gleichet keiner, nur der Sohn, der ist ihm gleich;
dessen Stuhl ist unumstößlich, dessen Leben unauflöslich, dessen Reich ein ewig Reich.
4) Gleicher Macht und gleicher Ehren sitzt er unter lichten Chören über allen Cherubim;
in der Welt und Himmel Enden hat er alles in den Händen, denn der Vater gab es ihm.
5) Nur in ihm, o Wundergaben, können wir Erlösung haben, die Erlösung durch sein Blut.
Hört's: das Leben ist erschienen, und ein ewiges Versühnen kommt in Jesus uns zugut.
6) Jesus Christus ist der Eine, der gegründet die Gemeine, die ihn ehrt als teures Haupt.
Er hat sie mit Blut erkaufet, mit dem Geiste sie getaufet, und sie lebet, weil sie glaubt.
7) Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen, klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen, sagt, ihr Armen, ihm die Not.
Wunden müssen Wunden heilen, Heilsöl weiß er auszuteilen, Reichtum schenkt er nach dem Tod.
8) Zwar auch Kreuz drückt Christi Glieder hier auf kurze Zeiten nieder, und das Leiden geht zuvor.
Nur Geduld, es folgen Freuden; nichts kann sie von Jesus scheiden, und ihr Haupt zieht sie empor.
9) Ihnen steht der Himmel offen, welcher über alles Hoffen, über alles Wünschen ist.
Die geheiligte Gemeine weiß, dass eine Zeit erscheine, da sie ihren König grüßt.
10) Jauchz ihm, Menge heilger Knechte, rühmt, vollendete Gerechte und du Schar, die Palmen trägt,
und ihr Zeugen mit der Krone und du Chor vor seinem Throne, der die Gottesharfen schlägt.
11) Ich auch auf der tiefsten Stufen, ich will glauben, reden, rufen, ob ich schon noch Pilgrim bin:
Jesus Christus herrscht als König, alles sei ihm untertänig; ehret, liebet, lobet ihn!

Ein siebter Versuch: In einem Wort. Von Therese von Lisieux

Links Richtung Himmel, rechts Richtung Erde – wer diesen Wegweisern folgt, wird in die Irre gehen. Ein Entweder-Oder gibt es nicht: Mein Himmel wird sich auf Erden ereignen. Ja, ich will meinen Himmel damit verbringen, auf Erden Gutes zu tun.

Ein achter Versuch: Im Gebet Jesu

Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.
Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war. Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

Derselbe Jesus hat auf die Frage, wann denn die Königsherrschaft Gottes anbreche, geantwortet: Nicht hier oder da. Die Königsherrschaft Gottes, das Reich Gottes ist innerhalb, ist unter euch.
Der Blick nach oben, wo die Jünger hinschauten. Der Blick nach oben, den wir alle werfen, wenn wir von Gott sprechen. Er führt von Gott weg. Himmelfahrt meint gerade nicht, dass sich Gott immer weiter entfernt. Es zeigt nur, dass Gottes Nähe viel weiter geht als wir uns das vorstellen können. Sie ist allgegenwärtig, inmitten unter uns.


Gebet
Wir bitten dich für alle, die Verantwortung tragen.
Sei bei uns mit deiner Kraft und deinem Segen.
 
Wir bitten dich für alle, die sich um Frieden bemühen.
Sei bei uns mit deiner Kraft und deinem Segen.

Wir bitten dich für alle, denen es nicht gut geht.
Sei bei uns mit deiner Kraft und deinem Segen.
 
Wir bitten dich für uns und die ganze Welt.
Sei bei uns mit deiner Kraft und deinem Segen.
Amen.

Segen
Gott: segne uns und behüte uns; lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig; erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns und dieser Welt Frieden.

Lied 611 Der Himmel geht über allen auf

Der Himmel geht über allen auf, auf alle über, über allen auf. Der Himmel geht über allen auf,  auf alle über, über allen auf.

 

Ihr Josef Jirasek

22.05.2020