Gottesdienstimpuls für den 3. Sonntag nach Trinitatis (28. Juni 2020)


Gottesdienst-Impuls
zum 3. Sonntag nach Trinitatis

 


"Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist." ( Lk 19,10) 

So heißt es im Lukasevangelium. Das ist der Wochenspruch für die heute beginnende Woche. Selig zu machen, was verloren ist. Was das heißt, wird in den Texten dieses 3. Sonntags nach Trinitatis noch einmal vertieft und wir denken darüber nach, was das für uns selbst bedeutet.

In diesem virtuellen Gottesdienst, den wir wie alle unsere Gottesdienste feiern:

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes. Amen


Psalm 103

Barmherzig und gnädig ist Gott, geduldig und von großer Güte. So hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn Ehren. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich Gott über die, die ihn ehren. Ja, Ehr sei dem Vater.

♫  Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen ♫


Sündenbekenntnis

Guter Gott, unser Leben bewegt sich zwischen Höhen und Tiefen. Nie ist alles nur einfach. Nie ist alles nur schwer. Nie handeln wir nur falsch. Und nie handeln wir nur richtig. Unser Bemühen bleibt. Bleibt auch gefordert. Egal, wie das Leben sich gestaltet. In den biblischen Texten lesen wir: “Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Ja, genau so näherst du dich uns allen und uns bleibt genau darum zu bitten: Erbarme dich, erbarme dich unser

♫ Herre, Gott, erbarme dich, Christe erbarme dich, Herre Gott erbarme dich ♫


Kollektengebet

Guter Gott,

du zeigst uns immer wieder wie Menschen einander begegnen können. Was uns gut tut. Was uns miteinander weiterbringt. Es ist nicht immer leicht umzusetzen, dennoch ermutigst du uns dazu und zeigst uns in alledem: Du bist mit uns auf unseren, manchmal ganz eigenartigen Wegen. Und dafür danken wir dir von Herzen. Amen.


Lesung: Lk 15, 11ff.

Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: „Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht.“ Und er teilte Hab und Gut unter sie. Nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. Als aber alles verbraucht war, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. Da ging er in sich und sprach bei sich: „Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich einem deiner Tagelöhner gleich!“ Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: „Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße.“ Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: „Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet es; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden.“ Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: „Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat.“ Da wurde der Ältere zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber trat heraus und bat ihn. Der Ältere antwortete aber und sprach zu seinem Vater: „Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.“ Der Vater aber sprach zu ihm: „Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.“

Halleluja. Barmherzig und gnädig ist der EWIGE, geduldig und von großer Güte. Halleluja

♫ Halleluja ♫


Glaubensbekenntnis

Die Nähe Gottes bedenkend, bekennen wir unseren Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.


Lied: Jesus nimmt die Sünder an

1. Jesus nimmt die Sünder an; saget doch dies Trostwort allen, welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen! Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an.
3. Wenn ein Schaf verloren ist, suchet es ein treuer Hirte; Jesus, der uns nie vergisst, suchet treulich das Verirrte, dass es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an.
8. Jesus nimmt die Sünder an; mich hat er auch angenommen und den Himmel aufgetan, dass ich selig zu ihm kommen und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an.

(Lied, Autor: Erdmann Neumeister, 1671 - 1756)


Ein paar Gedanken zum 3. Sonntag nach Trinitatis


Wir feiern wieder Gottesdienst. Endlich. Im Gemeindezentrum in Brebach. Mit Voranmeldung und allen Sicherheitsvorkehrungen zwar. Aber dennoch. Wir feiern wieder Gottesdienst. Ohne zu singen, aber wir beten und bekennen unseren Glauben.

Lassen uns dabei inspirieren und mitnehmen von den biblischen Texten. Worten aus uralter Zeit, viele schon weit vor Christi Geburt aufgeschrieben wie die Psalmen und natürlich auch viele, die auf ihn selbst zurückgehen. Auf Jesus von Nazareth, den wir als Christus bekennen. Ermahnungen, Gleichnisse, Aufforderungen, mit denen  er zu erklären versuchte, wie ein Zusammenleben von Menschen aussehen kann und was das heißt, sich vom Glauben tragen zu lassen, auf Gott zu vertrauen. Jesus gebraucht Bilder, die sofort verstanden werden. Sie haben etwas mit dem Leben damals zu tun. Mit den alltäglichen Erfahrungen. Mit den Bildern in den Gleichnissen antwortet er ihnen auf ihre Fragen: Wie ist das mit Gott, wer ist Gott überhaupt, wo ist er und: steht er uns bei? Gerade dann, wenn es uns nicht gut geht. Macht er Unterschiede zwischen denen, die an ihn glauben und denen, die an ihm zweifeln?

Ich sage jetzt nichts Neues. Warum auch. Nein, das ist mir - gerade in Zeiten wie diesen, wo immer wieder nach der Schuld von wem auch immer gefragt wird. Gerade in solchen Zeiten ist und bleibt mir das ganz wesentlich: Es wäre sehr einfach, sich selbst in den Geschichten Jesu immer nur von der positiven Seite aus zu betrachten:  Ich selbst ein Glaubender? Natürlich! Ich selbst ohne Zweifel? Ganz klar! Ich selbst einer, bei dem alles in guten Bahnen läuft? Das sieht doch jeder oder?

Nein, das ist zu einfach. Ich hab das schon öfter gesagt und es wird mir auch immer wichtiger: Ich lese die biblischen Texte anders, versuche, mich in jeder der erwähnten Personen zu erkennen. Und ich bin sicher, dass die Geschichten auch genau so gemeint sind. Es gibt kein „Hier ist gut und da ist böse“, es gibt kein: „Wir sind die Gewinner, die anderen sind die Verlierer, es sei denn, sie schließen sich uns an“.

Nein, es geht immer um mehr als eine Blickrichtung. Es geht darum, sich in allen Personen zu erkennen.

Das Gleichnis von den beiden Söhnen vorhin. Wie sich der Vater verhalten hat. Jesus hat sie aus gutem Grund erzählt. Denn bevor er sie erzählte, war das geschehen: Zolleinnehmer und andere Menschen, die ein Leben voller Schuld führten, kamen zu Jesus, um ihm zuzuhören. Und darüber ärgerten sich einige. Sie sagten: »Mit solchen Menschen, mit solchen Sündern gibt der sich ab und isst sogar mit ihnen!« Es gab eine klare Vorstellung, wer zu den Sündern zählte.

So was könnte ich in der ein oder anderen Situation auch sagen. Wie kann man sich nur mit solchen Leuten abgeben? Mit den Besserwissern. Mit den Egoisten. Mit denen, die nur nach sich selbst schauen. So könnte ich sagen. Deshalb gilt die Antwort eben auch mir.

Diese Erzählung von den beiden Söhnen, die so unterschiedlich handeln. Die im Grunde für die Vielfalt der Lebensentwürfe stehen. Der eine fühlt sich schuldig, weil er über sein Leben nachdenkt, weil er sich selbst in Frage stellt. Der andere meint alles richtig zu machen und verlangt auch die Belohnung dafür. Ich erkenne mich auch in diesen beiden. Wie vorhin im Gebet gesagt: Das Leben bewegt sich zwischen Höhen und Tiefen. Nie ist alles nur einfach. Nie ist alles nur schwer. Nie handeln wir nur falsch. Und nie handeln wir nur richtig. Unser Bemühen bleibt. Bleibt auch gefordert. Egal, wie das Leben sich gestaltet.

Und der Vater? Er freut sich an beiden Söhnen und feiert, dass der zurückgekehrt ist, der so tief gefallen war. Mit dem Vater möchte ich mich auch gerne identifizieren. Und sicher erlebt man das eine oder andere mit Kindern, was daran erinnern lässt. Es bleibt die Aufforderung, den Kindern wie überhaupt auch anderen Menschen, ja - irgendwie warmherzig und eben auch verzeihend zu begegnen. So wie wir es in unserem Hauptgebet, dem Vaterunser immer wieder aussprechen. Und das soll ja nicht nur so dahingesagt sein: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Aber mit dem Vater in dieser Erzählung ist der Vergleich doch schwierig. Denn Jesus denkt und spricht hier von Gott, der sich allen Menschen zuwendet. Auch denen, die ganz schön tief gefallen sind. Wie erstaunlich ist das? Wie erstaunlich war das schon immer für Menschen, die glaubten. Bereits in der hebräischen Bibel, im sogenannten Alten Testament wird dieses Erstaunen immer wieder aufgegriffen. Micha etwa, einer der ganz bekannten Propheten, der zur Zeit Jesu immer wieder zitiert wird. Micha spricht zu Gott über die Menschen, deren Fehlverhalten er sehr wohl  kannte wie sein eigenes auch. Er bekennt vor Gott: „Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“

Ja, solche Sätze und solche erläuternden Gleichnisse von Jesus selbst hören wir in unseren Gottesdiensten. Da gibt es doch viel nachzudenken, oder? Und wenn wir unseren Glauben mit Ernst bekennen, dann haben wir genau solche Sätze und Gleichnisse im Hinterkopf. Das macht unseren Glauben aus. 

Unseren Glauben, der von Geschichten wie der vom Vater, der beide Söhne liebt, geprägt ist. Der aufgrund der unterschiedlichen Lebensentwürfe nicht sagt: zu dem einen stehe ich, den andern lasse ich fallen. Nein er liebt beide und gerade daraus entwickelt sich ein verantwortungsvolles Verhalten der beiden Söhne.

Ja, so ist unser Glaube! Dazu ermutigt uns Gott. Und aus dieser Ermutigung lässt es sich viel freier leben. Jeder und jede kann zuallererst selbst etwas tun. Amen. Und der Friede Gottes, der viel höher ist als alle unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen!


Lied: Ich lobe meinen Gott

1. Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe. Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.

Refrain: Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern, die Menschen werden singen bis das Lied zum Himmel steigt: Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Frieden auf Erden!

3. Ich lobe meinen Gott, der meine Tränen trocknet, dass ich lache. Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich lebe. Refrain

(Text: Hans-Jürgen Netz  Melodie: Christoph Lehmann 1979)


Fürbittengebet und Vaterunser

Gott, wir bitten dich für unsere Kirche im Kleinen: Hilf, dass sie ein Ort ist, an dem dein Wort und deine Liebe lebendig sind und bleiben. — Wir bitten dich für das Miteinander der Menschen dieser Welt, deiner Welt: Lass nicht zu, dass Ungerechtigkeit unsere Welt spaltet. Gib uns immer wieder Hinweise auf den Weg, der vor uns allen liegt und der uns irgendwann auch alle zusammenführt. — Miteinander und Stärkung wünschen wir allen Menschen: Schenke den Hungernden und Dürstenden weltweit Brot und Wasser. Schenke den Obdachlosen und Heimatlosen ein Dach über dem Kopf, unter dem sie Schutz finden. Lass uns alle unseren Platz finden in deiner Gemeinde, in deiner Welt und so unseren Glauben leben in dieser Welt. — Gemeinsam beten wir: Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segen

Nachspiel

 

 

Ihr Josef Jirasek

28.06.2020