Gottesdienstimpuls für den 6. Sonntag nach Trinitatis (19. Juli 2020)


Gottesdienst-Impuls
zum 6. Sonntag nach Trinitatis

 

„So spricht der EWIGE, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

Der Prophet Jesaja schreibt so in seinem Buch, im 43. Kapitel. Ein Satz, den viele als Taufspruch kennen. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein! Im Zeichen der Taufe wird dieser 6. Sonntag nach Trinitatis gefeiert.

Genau darüber denken wir nach. Was Taufe für uns heute noch bedeuten kann. Wir denken darüber nach, in diesem virtuellen Gottesdienst, den wir wie alle Gottesdienste feiern:

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen


Psalm 139, 1-12

Gott, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du nicht alles wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen. Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

♫  Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen ♫


Schuldbekenntnis

Guter Gott, von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir?  Es ist ein tröstendes Bild und wird doch nicht nur so verstanden. Weil etwas Beängstigendes auch mitschwingt. Nicht nur die Frage: Warum hilfst du mir dann nicht in den schweren Augenblicken meines Lebens? Sondern eben auch: Wie kann ich deiner Nähe entkommen? Du siehst ja doch auch alle meine Schwächen, meine Fehler und Nachlässigkeiten.

Und gerade da bleibt es dabei: Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir und ich kann voller Hoffnung sagen: Erbarme dich. Erbarme dich unser!


♫ Herre, Gott, erbarme dich, Christe erbarme dich, Herre Gott erbarme dich ♫


Gebet

Guter Gott,

was schenkst du uns und wie nimmst du uns zugleich in große Verantwortung. Verantwortung, unser Leben nach dem auszurichten, was du uns mit auf unseren Weg gegeben hast. Der wahrhaftig nicht immer nur geradeaus führt, der aber von Beginn an ein von dir begleiteter ist. Mit dem Zeichen der Taufe erinnerst du uns immer wieder daran. Danke. Amen


Lesung  aus Matthäus 28

Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.  

Halleluja. Ich will deinen Namen kundtun meinen Geschwistern, ich will dich in der Gemeinde rühmen! Halleluja.

♫ Halleluja ♫


Glaubensbekenntnis

Diese Aufforderung Jesu zur Taufe bedenkend,

bekennen wir unseren Glauben.

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.


Lied 200 Ich bin getauft auf deinen Namen

1) Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist; ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt;
Ich bin in Christus eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt.

2) Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, mich erklärt; du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt;
du willst in aller Not und Pein, o guter Geist, mein Tröster sein.

4) Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste stehn; wenn aber ich ihn überschreite, so lass mich nicht verloren gehn;
nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall getan.

(Text Johann Jakob Rambach 1735  Melodie Johann Balthasar König 1738)


Gedanken zum 6. Sonntag nach Trinitatis

Der Friede Gottes, die Liebe Jesu Christi und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen! Amen.

Ich bin getauft auf deinen Namen. So hat es Johann Jakob Rambach gedichtet. 1735. Ich bin getauft auf deinen Namen, ich bin gezählt zu deinem Samen. So innig beschreibt er die Beziehung. Es ist ein Geschenk, von Gottes Geist ist er beschenkt. Es ist der Bund, den Gott mit ihm eingeht. Mit allen, die auf seinen Namen getauft sind. Gott geht diesen Bund ein, kein Mensch kann ihn erzwingen. Aber Johann Jakob Rambach weiß sehr wohl, dass der Mensch selbst immer in Gefahr ist, diesem Bund nicht gerecht zu werden. Er ist selbst Mensch. Er weiß um sich und seine Fehlbarkeiten. Er weiß, wie schnell die Inhalte des Bundes vergessen sind. Die Menschheitsgeschichte verrät es von Beginn an. Von Adam und Eva an, Kain und Abel, Noah und allen, die ihnen folgten.

Die Geschichte Israels verrät das. Wie ausdrücklich wurde der Bund immer wieder erwähnt, erneuert, vorgehalten und auch ständig verlassen, weil man sich nur auf sich selbst verließ, ganz anderen Wegen folgte. Die Propheten haben es hervorgehoben. Oder die Psalmisten. Oder diejenigen, die die wesentlichen Bücher der hebräischen heiligen Schrift verfassten. Die ersten 5 Bücher, in denen alles zusammengefasst ist. Gottes Wegbegleitung mit seinem Volk, das so oft von genau diesem Weg abgekommen ist. Die Versuchungen waren aber auch immer so groß. Als sie etwa am Berg Gottes waren. Und auf Mose warteten. Der nicht zurückkehren wollte. Und als er dann doch erschien mit den Tafeln des Bundes. Mit diesen Geboten, die alles zusammenfassten. Als er endlich zurückkehrte, hatten sie sich einem scheinbar mächtigeren Gott zugewandt. Einem goldenen Kalb, um das sie tanzten.

Überhaupt der Weg aus Ägypten, aus der Unterdrückung. Aus der Sklaverei. In das Land, in dem Milch und Honig fließt. Dorthin sollte Mose sie führen. Und sie folgten ihm. Voller Enthusiasmus. „Gott hat mit uns einen Bund geschlossen“. Aber nur wenige Tage dauerte das an. Dann begannen sie sich zurückzusehnen nach den Fleischtöpfen in Ägypten. Wollten lieber wieder in die Sklaverei als darauf zu vertrauen, dass Gott es gut mit ihnen meint. Auch wenn das im Augenblick überhaupt nicht zu spüren ist.

Immer wieder dieser Zwiespalt. Die Aussage „Gottes Bund gilt euch. Er bleibt bestehen“ und die Erfahrung, dass das Leben das Gegenteil von dem widerspiegelt. Armut, Hunger, Auseinandersetzungen mit anderen Völkern. Kriege, Gewalt. Exilerfahrungen. Und dann auch das Verhalten derjenigen, von denen man als erstes erwarten durfte, dass sie sich des Bundes würdig erweisen. Den politisch Verantwortlichen, den religiösen Führern. Wie laut haben die Propheten das Unrecht angeprangert, für das die Oberen Verantwortung trugen und haben die Konsequenzen im Einzelnen aufgeführt. Auch die, dass sie von mächtigeren Völkern unterdrückt, dass ihre Könige und religiösen Führer ins Exil geführt werden. Von den Assyrern, von den Babyloniern. Dass ihre eigenen Kultstätten zerstört werden.

Und wenn die Prophezeiungen sich erfüllt haben, genau dann gab es immer diesen Umschwung. Gab es die Rückbesinnung. Setzte sich auch wieder diese Erkenntnis durch: Gott hält weiter an seinem Bund fest. Sie mussten es immer und immer wieder in Erinnerung rufen. Etwa mit eindringlichen Worten im 5. Buch Mose:

„Du bist ein heiliges Volk dem EWIGEN, deinem Gott. Dich hat dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der EWIGE angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So sollst du nun wissen, dass dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten.“

So wird das ausgedrückt und jeder wusste, wie viele Male das heilige Volk sich eben gerade nicht so verhalten hatte, wie es erwartet wurde. Die Liebe Gottes konnte dadurch nie in Frage gestellt werden. Die Liebe eines gütigen Vaters, der sich um seine Kinder sorgt und immer wieder auf den rechten Weg zurückführt. Wie ein guter Hirte. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Kein Wunder, dass Jesus diese Begrifflichkeiten  aufgreift. Dass er auch vom Vater spricht. Dass er sogar sein Gebet so beginnen lässt. „Vater unser im Himmel“. Dass er sich selbst als Hirte bezeichnet, der sich um seine Herde bemüht, gerade um die, die besonders gefährdet sind. Dass die letzten Worte, die im Matthäusevangelium Jesus zugeschrieben werden, die Aufforderung zur Taufe in den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ist. Mit der Taufe, die als Zeichen gelten soll, dass der, auf den getauft wird, nie von dem Getauften ablassen wird. Gott bleibt ein liebender Gott. Selbst wenn der Mensch immer wieder in Gefahr steht, dem Bund nicht gerecht zu werden. Dem Bund, der mit der Taufe sichtbar gesetzt ist. Kein Erleben, kein Rückschlag, keine Ungewissheit, kein Zweifel am und im Leben kann an der Liebe Gottes etwas ändern. Sie bleibt bestehen. Auch wenn wir sie aus dem Blick verlieren. Sie bleibt bestehen und kann so so viel Hoffnung und Zuversicht auslösen und dann eben auch Mut und Kraft, so zu handeln wie Gott es den Menschen, Israel vorweg schon immer aufgegeben hat. „Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles zu halten, was ich euch befohlen habe.“ Und dann wird es wieder hinzugefügt: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen!


Lied 10E Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf

1. Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf. Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf, zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt, und der auch mich in seinen Händen hält.
2. Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt und aus dem Tod zum Leben auferstand und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist für uns zum Freund und Bruder worden ist.

3. Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist, zum Weg der Liebe, den er uns verheißt, zu wagen Frieden und Gerechtigkeit in einer Welt voll Hunger, Angst und Leid.

4. Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot, Wegzehrung. Zeichen, Zuspruch in der Not. Ich sage Ja und Amen, weil gewiss: Ein andres Ja schon längst gesprochen ist.

(Text und Musik Okko Herlyn)


Fürbitten und Vaterunser

Guter Gott, ja, du rufst uns beim Namen und sagst: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.

Dein Ruf geht allem voraus. In dir sind und bleiben wir geborgen. Du gibst uns Freiheit und überträgst uns zugleich Verantwortung, füreinander und miteinander zu leben.

Und bei allen misslungenen Versuchen sagst du immer wieder auf’s Neue: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. So beten wir:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segen

Guter Gott, segne uns und behüte uns. Lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden.   ♫ Amen ♫

 

Ihr Josef Jirasek

21.07.2020