Gottesdienstimpuls für den 14. Sonntag nach Trinitatis (13. September 2020)


Gottesdienstimpuls
14. Sonntag nach Trinitatis 2020

 

Lobe Gott, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Ps 103,2)

So fordert der Psalmist auf, es ist der Wochenspruch zum 14. Sonntag nach Trinitatis.

Eigentlich ein besonderer Sonntag. Mirjam-Sonntag. Nach der Prophetin Mirjam, der Schwester des Mose, benannt. Frauen aus der Bibel stehen im Mittelpunkt, Frauen, die zu Lehrerinnen im Glauben wurden.

Eine Frauengruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Lützel hat Texte für diesen Gottesdienst am Mirjam-Sonntag aufgeschrieben. 13 Frauen im Alter von 41 bis 64 Jahren. „Dienstagsfrauen“  nennen sie sich. Sie schreiben: Das Thema des heutigen Gottesdienstes lautet: Maria – mitten unter uns? Maria – die Mutter Jesu. Maria. Sie trägt denselben Namen wie die Schwester des Mose. Maria kommt von dem hebräischen מרים, Mirjam. Maria, den einen so nah, den anderen so fern.


Mit den Dienstagsfrauen denken wir über Maria nach, lassen uns von ihr begleiten in unserem Glauben. Sehen, wo sie uns inspirieren kann. Nicht nur in diesem virtuellen Gottesdienst, den wir wie alle unsere Gottesdienste feiern:

Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes. Amen.


Psalm 126

Wenn der EWIGE die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Wie konnten wir lachen und vor Freude jubeln! Bei den anderen Völkern sagte man damals: »Der EWIGE hat Großes für sie getan!«

Ja, er hatte Großes für uns getan und wir waren glücklich. Gott, wende auch jetzt unsere Not, bring Glück und Frieden zurück, so wie du das Wasser wieder zurückbringst und die ausgetrockneten Bäche plötzlich füllst!

Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.

♫  Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.   Amen ♫


Schuldbekenntnis  

Die „Dienstagsfrauen“ aus Koblenz-Lützel schreiben: Maria trägt ein Kind in sich, das die Welt verändern wird. Deshalb geht Maria schwanger mit der Idee einer gerechteren Welt.  Auch wenn wir mit Maria das Magnificat singen, fällt es uns schwer, an Gottes Verheißung zu glauben, dass die alte Weltordnung von unten und oben, von Arm und Reich, von Klein und Groß zerstört werden wird. Zu sehr sind wir gewohnt, dass die Welt so bleibt, wie sie ist.

Dass wir glauben können, dass die gnadenlosen Machtstrukturen zerstört werden, dass Christus die Vision einer gerechteren Welt in uns einpflanzt: Darum bitten wir: erbarme dich unser.

♫ Herre, Gott, erbarme dich, Christe erbarme dich, Herre Gott erbarme dich ♫


Kollektengebet

Guter Gott,

als Deine Töchter und als Deine Söhne kommen wir zu Dir, Du Gott allen Lebens. Wir haben Sehnsucht nach Deiner Nähe, dein liebevoller Blick richtet uns auf. Lass Dein Wort immer wieder zu einer Quelle werden, die nie versiegt. Stärke uns so und zeige uns den Weg des Lebens, auf dem du uns begleitest. Amen.


Lesung: Lukas 1, 26-56

Als Elisabet im sechsten Monat war, sandte Gott den Engel Gabriel nach Nazaret in Galiläa zu einem jungen Mädchen mit Namen Maria. Sie war noch unberührt und war verlobt mit einem Mann namens Josef, einem Nachkommen Davids.Der Engel kam zu ihr und sagte: »Sei gegrüßt, Maria, der Herr ist mit dir; er hat dich zu Großem ausersehen!«

Maria erschrak über diesen Gruß und überlegte, was er bedeuten sollte. Da sagte der Engel zu ihr: »Hab keine Angst, du hast Gnade bei Gott gefunden! Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Dem sollst du den Namen Jesus geben.«

Maria fragte den Engel: »Wie soll das zugehen? Ich bin doch mit keinem Mann zusammen!« Er antwortete: »Gottes Geist wird über dich kommen, seine Kraft wird das Wunder vollbringen.«

Bald danach machte sich Maria auf den Weg und eilte zu einer Stadt im Bergland von Judäa. Dort ging sie in das Haus von Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet ihren Gruß hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde sie vom Geist Gottes erfüllt und rief laut: »Gesegnet bist du von Gott, auserwählt unter allen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!«

Maria aber sprach: »Mein Herz preist Gott, alles in mir jubelt vor Freude über ihn. Denn Gott hat Großes an mir getan, er, der mächtig und heilig ist. Sein Erbarmen hört niemals auf; er schenkt es allen, die ihn ehren, von einer Generation zur andern. Jetzt hebt er seinen gewaltigen Arm und fegt die Stolzen weg samt ihren Plänen. Jetzt stürzt er die Mächtigen vom Thron und richtet die Unterdrückten auf. Den Hungernden gibt er reichlich zu essen und schickt die Reichen mit leeren Händen fort.« Halleluja. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt, so erbarmt sich Gott über die, die ihn ehren. Halleluja.

♫ Halleluja ♫


Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.


Lied 333 Danket dem Herrn

1) Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich, sie währet ewiglich, sie währet ewiglich.

2) Lobet den Herrn! Ja, lobe den Herrn, auch meine Seele; vergiss es nicht, was er dir Gutes getan, was er dir Gutes getan, was er dir Gutes getan.

6) Singet dem Herrn! Lobsinget dem Herrn in frohen Chören; denn er vernimmt auch unsern Lobgesang, auch unsern Lobgesang, auch unsern Lobgesang.

(Text Karl Friedrich Wilhelm Herrosee vor 1810  Melodie  Karl Friedrich Schulz 1810)


Predigt

Der Friede Gottes, die Liebe Jesu Christi und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns. Amen!

Maria, eigentlich מרים (Mirjam) lautet ihr Name. In den ältesten Schriften des Neuen Testaments spielt der aber keine Rolle. Ihr Name wird in den Briefen des Paulus nicht genannt. An die Galater schreibt der vielmehr: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste.“

Ansonsten gibt Paulus der Mutter Jesu keinen Namen. Es sind die ältesten Texte. Maria spielte keine Rolle. Frauen spielten keine Rolle? Oder vielmehr eine deutlich untergeordnete? In die Zeit hat das durchaus gepasst. Doch immerhin: Schon Paulus schreibt an anderer Stelle im selben Brief an die Galater: „Im Glauben, da gibt es nicht den Unterschied Mann und Frau. Im Glauben seid ihr allesamt zu einem Menschen geworden“, ohne Über- und Unterordnung. Männer und Frauen auf Augenhöhe.

In den Evangelien wird anders, viel konkreter über Maria berichtet.

Von Markus durchaus kritisch. Er erzählt, dass sich die Leute in Jesu Vaterstadt Nazareth empören. Weil Jesus die Schriften auslegt, die biblischen Schriften. „Was bildet der sich eigentlich ein?“ Sagen sie. Und nun kommt Maria ins Gespräch. Sie argumentieren so: „Ist der nicht der Zimmermann, der Sohn von Maria, der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Und leben nicht auch seine Schwestern hier bei uns?«

Darum wollten sie nichts von ihm wissen. Trauen seinen Auslegungen der Schriften nicht. Maria war ihnen bekannt, eine ganz gewöhnliche Familie mit mindestens 7 Kindern. Nach Jesus kamen noch mindestens 6 weitere zur Welt.

Viel mehr hört man hier nicht von ihr. Nichts über die Geburt, nichts über Empfängnis. Geboren von einer Jungfrau. So sprechen wir es im Glaubensbekenntnis. Markus, der Evangelist, weiß nichts davon. Oder er berichtet es nicht. Es soll jetzt niemand glauben, dass Markus der Vernünftigere wär. Dass er wusste, wie unmöglich die Geburt durch eine Frau sei, die mit keinem Mann geschlafen hat. Es war für Markus sicher genau so wie für Lukas und Matthäus eine durchaus denkbare Alternative. Eine Alternative, die auch von anderen berichtet wurde. Von anderen berühmten Persönlichkeiten. Schon durch die Geburt waren sie etwas besonderes. Und es setzte sich fort. In ihrem ganzen Leben.

Ja, auch Jesus etwas besonderes, von Geburt an. Tatsächlich? Das fällt sofort auf: Lukas und Matthäus berichten auf ihre jeweilige Weise nichts Rühmliches. Keine Geburt, die sich irgendjemand wünschen würde. Und es setzt sich fort im Leben des Sohnes der Maria. Das macht es so widersprüchlich. Und ihr Lobgesang, den wir vorhin hörten, reiht sich in das Widersprüchliche ein. „Gott hat Großes an mir getan“, sagt sie und weiter: „Er, der mächtig und heilig ist. Sein Erbarmen hört niemals auf; er schenkt es allen, die ihn ehren, von einer Generation zur andern. Er fegt die Stolzen weg samt ihren Plänen. Er stürzt er die Mächtigen vom Thron und richtet die Unterdrückten auf. Den Hungernden gibt er reichlich zu essen und schickt die Reichen mit leeren Händen fort.“

Widersprüchlich werden solche Sätze allein auch schon dadurch, dass sie von einer Frau gesprochen werden. Von einer Frau, die prophetisch auftritt wie ihre Namensschwester, wie Mirjam, die Schwester des Mose und des Aaron. Solche Sätze, von Frauen gesprochen, da wurden viele Männer hellhörig und misstrauisch. Lukas hat sie aufgeschrieben. Hat Maria zugleich als die ganz irdische Frau geschildert. Als die, die sich Sorgen macht um ihren Sohn bei der Geburt. Und später noch einmal, als er als 12-Jähriger sich von seinen Eltern absetzt, um im Tempel die Schrift auszulegen. „Dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht!“ Und in beiden Situationen erweist sich ihr Sohn als ein ganz Besonderer in dem, was über ihn gesagt wird und in dem, was er selbst sagt. Und in beiden Situationen heißt es über sie, seine Mutter: Sie behielt alle die ihr gesagten Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.

Was hat sie noch gehört? Wo hat sie zugestimmt, wo hat sie ihm widersprochen? Es gab sicher Auseinandersetzungen zwischen den beiden. Einiges deutet darauf hin. Markus schreibt auf, was Jesus selbst sagte, als er in seiner Vaterstadt Nazareth so kritisch angegangen wurde, als die Leute sagten: Wir kennen den doch. Der ist der Sohn von Maria usw.. Jesus sagt dazu: „Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und: bei seinen Verwandten und in seinem Hause.“

Und an anderer Stelle reagiert Jesus auf die Bitte seiner Mutter und seiner Brüder, ihn zu sehen, mit solchen schroffen Worten: „Meine Mutter und meine Brüder? Das sind diejenigen, die Gottes Wort hören und tun.“ Und er hat Maria mit ihren Söhnen nicht getroffen.

Ja, es gab wohl diese Abgrenzung, zumindest zeitweise. Am Ende hat sich ihre Haltung zu ihm und zu dem, was da entstand, ganz offensichtlich gewandelt. Sie war mit den engsten Freunden Jesu zusammen, einmütig im Gebet. In den Tagen nach Ostern. Sie, Maria, die Mutter Jesu, und seine Brüder waren auch dabei. Zumindest über den einen Bruder berichtet dann auch Paulus.

Maria. Eine Frau, über die man reden muss. In all ihrer Widersprüchlichkeit. Die Prophetin, die Anwältin für Unterdrückte und Benachteiligte, die besorgte Mutter, die von ihrem eigenen Sohn Zurückgewiesene und diejenige, die sich mit ihm und seinem Reden und Handeln solidarisiert. Auf diese Weise wird diese Frau Maria zu einem Vorbild im Hören und Glauben und im Tun.

Einiges mehr wurde über sie gesagt.  Dinge, die sie immer mehr entrückt haben. Keine Frau mehr, die zum Vorbild werden konnte. Eine Frau vielmehr, die als Himmelskönigin und Gottesgebärerin sich so sehr von allen anderen Frauen unterschied, dass eine Identifikation mit ihr immer unmöglicher wurde. Aber zum Glauben brauchen wir doch diese Vorbilder, die erreichbar bleiben, denen man tatsächlich nacheifern kann. Zum Glauben brauchen wir diese Männer und Frauen. Und deshalb ist und bleibt mir diese biblisch geschilderte Maria so wichtig. So unendlich wichtig. Amen. Und der Friede Gottes, der viel höher ist als alle unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen!


Fürbitten und Vaterunser

Guter Gott, wir bitten dich für uns. Leite unser Herz und unsere Hand, damit wir nach unseren Kräften für Gerechtigkeit und Frieden wirken, Wunden verbinden und Hunger stillen.

Mach uns Mut, unsere Stimme zu erheben für die, die selbst zu schwach sind oder keine Stimme haben und gib uns Mitgefühl und Kraft zu helfen, wo wir gebraucht werden. Gemeinsam beten wir: Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser täglich Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen


Segen

Die Segensworte der „Dienstagsfrauen“ aus Koblenz-Lützel begleiten uns:

Ich wünsche dir Füße, die dich auf den Weg bringen zu dem was wichtig ist.

Ich wünsche dir ein Rückgrat, mit dem du aufrecht und aufrichtig leben kannst.

Ich wünsche dir ein Herz, in dem viele Menschen zu Hause sind und das nicht müde wird, Liebe zu üben und Schuld zu verzeihen.

So segne uns, Gott, und behüte uns. Lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden. Amen.


Lied EGE 14, 1+3 Lobe den Herrn, meine Seele

Refrain: Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen. Lobe, lobe den Herrn, loben den Herrn, meine Seele. Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele

1. Der meine Sünden vergeben hat, der mich von Krankheit gesund gemacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen: Refrain

3. Der mich vom Tode errettet hat, der mich behütet bei Tag und Nacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen: Refrain

(Text und Melodie  Norbert Kissel)


Ihr Josef Jirasek

15.09.2020