Partnerschaft zwischen Saar-West und Goma

Gibt es bald Pfarrerinnen in Goma?

Pfarrer Robert Byamungu aus unserem Partnerkirchenkreis Goma arbeitet zur Zeit in Straßburg an seiner Doktorarbeit über das Thema: "Die Rolle und die rechtliche Stellung der Frau in den protestantischen Kirchen im Osten der Demokratischen Republik Kongo". Hier sein Bericht über die bisherige Entwicklung und den aktuellen Stand der Frauenordination, denn bis jetzt wurde in der Communauté Baptiste au Centre de l'Afrique (CBCA) noch keine Frau zur Pfarrerin ordiniert.

 

THEOLOGISCHE AUSBILDUNG VON FRAUEN

 

Die CBCA hat ihre Pfarrer zuerst in den drei Bibelinstituten Katwa, Bambu und Muku ausgebildet. Unter den Schülern waren von Anfang an schon einige Frauen. Um ein höheres Niveau der Pfarrerausbildung zu erreichen, wurden besonders qualifizierte Absolventen und später auch Absolventinnen der Bibelinstitute an die Fakultät für protestantische Theologie in Kinshasa geschickt. 1983 beendete dort die erste Frau erfolgreich den Master-Studiengang Theologie. Sie wurde als Dozentin am Bibelinstitut in Katwa eingesetzt, um Pfarrer auszubilden. Später hat sie auf den Philippinen promoviert und kehrte dann nach Goma zurück. Inzwischen ist sie die dienstälteste Dozentin an der theologischen Fakultät der Freien Universität der Länder an den Großen Seen (ULPGL), die 1985 von der CBCA zusammen mit anderen christlichen Gemeinschaften gegründet wurde.

 

1997 erhielten die ersten beiden Frauen ihr Theologie-Diplom an der ULPGL. Eine von ihnen ist seitdem Beauftragte für die theologische Aus-, Fort- und Weiterbildung in der gesamten CBCA, die andere ist Dozentin am Bibelinstitut in Muku. Seitdem werden jährlich mindestens zwei Theologinnen ausgebildet. Sie werden in der Schul- und KrankenhausSeelsorge oder als Dozentinnen an den Bibelinstituten und an der theologischen Fakultät eingesetzt.

 

KÖNNEN FRAUEN PFARRERIN WERDEN?

 

Die Frage des weiblichen Pfarrdienstes wird in der CBCA diskutiert, seitdem die ersten Frauen ihre theologische Ausbildung abgeschlossen haben. Denn obwohl sie nur in bestimmten kirchlichen Strukturen eingesetzt sind, verfügen sie alle über dieselbe Ausbildung und somit Befähigung zum Pfarrdienst wie ihre männlichen Kollegen. Aber die Auffassungen gehen weit auseinander.

 

Die älteren Pfarrer und einige konservative Theologen sind gegen die Frauenordination und argumentieren folgendermaßen: Jesus hatte bei der Auswahl der zwölf Jünger keine Frauen berufen; die Evangelien und die Briefe der Apostel nennen keine einzige Frau, die eine Kirche geleitet oder eine Epistel geschrieben hätte; unter unseren Missionaren war keine einzige Pfarrerin; in unserer Kultur leiten keine Frauen die Männer.

 

Die Befürworter der Frauenordination sehen in Jesus den Mann, der die Frauen befreit hat. Zu seiner Zeit durfte die jüdische Frau nicht öffentlich auftreten, aber Frauen sind Jesus bis zu seiner Kreuzigung gefolgt. Während "die Zwölf" und andere Anhänger ihn verlassen haben, sind die Frauen am Kreuz, sehen das ganze Geschehen, nehmen an seinem Begräbnis teil und sind die ersten, die am offenen Grab von seiner Auferstehung erfahren und dies den Jüngern mitteilen. Das Evangelium bezeugt die Auferstehung Christi und es sind die Frauen, die das Privileg haben, dies als erste zu verkündigen.

 

Deshalb hat die Kirche nicht das Recht, ihnen zu verwehren, was Christus selbst ihnen gegeben hat. In den christlichen Urgemeinden leiteten Frauen die "Hauskirchen". Paulus erwähnt mehrere Frauen als seine Mitarbeiterinnen: Phöbe ist Diakonin und Paulus bittet die römischen Gemeinden, sie mit gebührenden Ehren zu empfangen. Junia wird "Apostel" genannt und mit ihrem Ehemann Andronicus erwähnt. Die kirchliche Tradition hat über die Jahrhunderte ihren Namen zu "Junias" verfälscht, um sie männlich zu machen, aber die historischen Forschungen haben ergeben, dass es sich tatsächlich um eine Frau handelte.

 

Die CBCA will jede Form der Kirchenspaltung vermeiden, die infolge einer Frauenordination zu befürchten wäre. Sie setzt deshalb auf Überzeugungsarbeit. Diese Sensibilisierung darf aber nicht ewig dauern, es muss vorwärts gehen!

 

WAS WURDE BISHER ERREICHT UND WAS BLEIBT ZU TUN?

 

Bis jetzt wurde folgendes erreicht:

 

Die Theologinnen predigen und leiten selbständig Gottesdienste. Einmal pro Monat gestalten die Frauen in jeder Gemeinde die Gottesdienste.

 

Frauen sind Evangelistinnen in den Gemeinden und leiten dort auch bestimmte Ausschüsse.

 

Von den 6 Delegierten, die jeder Kirchenkreis in die Synode der CBCA entsendet, müssen 2 weiblich sein.

 

Frauen sind jetzt auch Mitglieder des Exekutivkomitees, das zweimal jährlich tagt.

 

In einigen Gemeinden sind Frauen schon Presbyterinnen.

 

Der Pfarrkonvent und die Synode der CBCA haben 2019 beschlossen, dass Frauen nach dem Abschluss ihrer theologischen Ausbildung drei Jahre als Vikarinnen in Gemeinden eingesetzt werden, genauso wie ihre männlichen Kollegen. Nach erfolgreicher Beendigung des Vikariats wird die Pfarrdienstkommission über die Zulassung dieser Männer und Frauen zur Ordination entscheiden. Deshalb ist zu erwarten, dass 2022 die ersten Frauen in der CBCA zu Pfarrerinnen ordiniert werden.

 

In der Zwischenzeit werden die Christen in den Gemeinden darüber aufgeklärt, dass es kein biblisches Dogma gibt, das den Frauen den Pfarrdienst verbietet.

 

Wir beten darum, dass die Theologinnen ihr Vikariat erfolgreich abschließen und dass unsere Kirche unbeirrt an ihrem Entschluss festhält, so dass die Ordination von Pfarrerinnen endlich Wirklichkeit werden kann, wie in fast allen protestantischen Kirchen weltweit.

Pfarrer Robert Byamungu

Übersetzung: Roland Mertens

26.09.2020