Gottesdienstimpuls für den 17. Sonntag nach Trinitatis (4. Oktober 2020)

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Gottesdienstimpuls
17. Sonntag nach Trinitatis 2020

 


"Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit."

Im 145. Psalm stehen diese Worte. Natürlich passen sie in besonderer Weise zum heutigen Sonntag, zu Erntedank. Über den wir nachdenken, in diesem virtuellen Gottesdienst, den wir wie alle unsere Gottesdienste feiern:

Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes. AMEN


Psalm 104

Lobe den EWIGEN, meine Seele!

Du lässt Brunnen quellen in den Tälern, dass sie zwischen den Bergen dahinfließen, dass alle Tiere des Feldes trinken und die Wildesel ihren Durst löschen. Darüber sitzen die Vögel des Himmels

und singen in den Zweigen. Du tränkst die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest. Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz glänze vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.

Es wartet alles auf dich, dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt. Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub. Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du machst neu das Antlitz der Erde.

Ich will dem EWIGEN singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.

♫  Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.   Amen ♫


Schuldbekenntnis  

Guter Gott, Erntedank feiern wir. Ein Wort, bestehend aus zwei Teilen. Ernte, Danke. Wie selbstverständlich ist mir geworden, dass ich jeden Tag zu essen habe und zu trinken. Wie selbstverständlich, dass alles da ist, im Überfluss. Dass gepflanzt wird, dass gehegt und gepflegt, dass geerntet wird.

Für die Ernte ein Dank auszusprechen? Ich brauche tatsächlich diesen Anlass, diesen Sonntag. Ich brauche Erntedank.

Und dennoch lebe ich ja doch auch bewusst. Freue mich an der Natur, freue mich an den Früchten, die in meinem Garten wachsen. Freue mich an deiner Schöpfung.

Guter Gott, lass diese Freude in mir immer hochkommen, lass mich auch demütig werden vor der Größe deines Werkes, deiner Schöpfung und wo ich noch mehr tun könnte, da zeig mir, was notwendig ist und bei allem: erbarme dich. Ja, erbarme dich  unser.


♫ Herre Gott, erbarme dich. ♫


Kollektengebet

Guter Gott, schon immer suchen wir das Land, in dem Milch und Honig fließt. Schon immer möchten wir, dass alles blüht und gedeiht, dass wir alle satt werden.

Auch wenn die Realität bei uns selbst und weltweit eine andere ist. Am heutigen Tag danken wir für das, was uns gegeben ist, was uns leben lässt, was überhaupt nicht selbstverständlich ist.

Wir nehmen alles aus deiner Hand, denn insgesamt ist und bleibt es nicht unser Werk. Es ist und bleibt deine Schöpfung, uns anvertraut, damit gut umzugehen. Amen.


Lesung 5. Mose 8,7-18

Der EWIGE, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Quellen sind und Wasser in der Tiefe, die aus den Bergen und in den Auen fließen, ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt, ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust.

Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den EWIGEN, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat.

Vergesst nicht den EWIGEN, euren Gott! Missachtet nicht seine Weisungen, Gebote und Rechtsbestimmungen, die ich euch heute verkünde!

Werdet nicht übermütig, wenn es euch gut geht, wenn ihr reichlich zu essen habt und in schönen Häusern wohnt, wenn eure Viehherden wachsen, euer Gold und Silber und all euer Besitz sich vermehrt. Vergesst dann nicht den EWIGEN, euren Gott!

Er hat euch aus Ägypten, wo ihr Sklaven gewesen seid, herausgeführt. Er hat euch durch die große und gefährliche Wüste geführt, wo giftige Schlangen und Skorpione hausen, wo alles ausgedörrt ist und es nirgends einen Tropfen Wasser gibt. Aber dann ließ er aus dem härtesten Felsen Wasser für euch hervorquellen, und er gab euch mitten in der Wüste Manna zu essen, von dem eure Vorfahren noch nichts wussten. Durch Gefahr und Mangel wollte er euch vor Augen führen, dass ihr ganz auf ihn angewiesen seid; er wollte euch auf die Probe stellen, um euch am Ende mit Wohltaten zu überhäufen.

Vergesst das nicht und lasst euch nicht einfallen zu sagen: »Das alles haben wir uns selbst zu verdanken. Mit unserer Hände Arbeit haben wir uns diesen Wohlstand geschaffen.«

Seid euch vielmehr bewusst, dass der EWIGE, euer Gott, euch die Kraft gab, mit der ihr dies alles erreicht habt. Und er hat es getan, weil er zu den Zusagen steht, die er euren Vorfahren gegeben hat, wie ihr das heute sehen könnt.

Halleluja. Lobet den EWIGEN! Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding, ihn loben ist lieblich und schön.Halleluja

♫ Halleluja ♫


Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.


1. Wochenlied 502 Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit

1. Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit! Lob ihn mit Schalle, werteste Christenheit! Er lässt dich freundlich zu sich laden;  freue dich, Israel, seiner Gnaden, freue dich, Israel, seiner Gnaden!

4. Er gibet Speise reichlich und überall, nach Vaters Weise sättigt er allzumal; er schaffet frühn und späten Regen, füllet uns alle mit seinem Segen, füllet uns alle mit seinem Segen.

5. Drum preis und ehre seine Barmherzigkeit; sein Lob vermehre, werteste Christenheit! Uns soll hinfort kein Unfall schaden; freue dich, Israel, seiner Gnaden, freue dich, Israel, seiner Gnaden!

(Text und Melodie  Matthäus Apelles von Löwenstern 1644)



Predigt

Der Friede Gottes, die Liebe Jesu Christi und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Unsre Zeit in Gottes Händen. So heißt ein Lied. Ich singe es gerne. Unsre Zeit in Gottes Händen. Unsre Zeit. Das bin weder nur ich noch alleine meine Generation. Das ist die Weltenzeit, die lange vor uns begann und viel länger andauern wird als ich mir vorstellen kann. Da bin ich  wirklich nur ein ganz kleiner Teil.  Ein kleiner, vorübergehender Teil des großen Ganzen. Die Schöpfung Gottes, derer ich an Erntedank in besonderer Weise gedenke, führt mir das vor Augen. Vor ihr kann ich nur demütig werden und angespornt, dieser Schöpfung Ehre zu erweisen. Dieser Schöpfung mit allem, was dazu gehört. Seit Ewigkeiten und in Ewigkeit. Keine Zeitspanne, die ich ermessen kann. Das will ich immer bedenken und das relativiert auch einiges. Dennoch ist es meine jetzige Zeit, in der ich lebe und in der ich etwas bewirken kann und auch bewirken soll. Der Auftrag, mit der Schöpfung verantwortlich umzugehen. Dieser Auftrag wurde Adam und Eva stellvertretend für alle folgenden Menschengenerationen erteilt. Als Ebenbilder Gottes wurden sie bezeichnet. Ebenbilder Gottes sind wir auch. Unser Auftrag: Verantwortungsvoll mit dem umzugehen, was uns da anvertraut wurde. Verantwortungsvoll umzugehen mit dieser Schöpfung, die uns nur geliehen ist. Wir sind alle nicht Schöpfer, sondern immer nur ein kleiner Teil dieses großen, für uns alle unfassbaren Ganzen.


Ich wohne in einem kleinen Ort, in Bliesransbach, dem Tor zum Biosphärenreservat Bliesgau. Umgeben von Hügeln. Wolfsbuche heißt einer. Der Name allein lässt schon in ganz andere Zeiten blicken. Wenn ich von dort aus in mein Dorf fahre; wenn ich es von hier oben aus im Tal liegen sehe, denke ich immer wieder: Wie ist das hier so schön. Der weite Blick. Natur. Streuobstwiesen. So viel Grün und dazwischen die Häuser eingebettet.

Die Obstplantagen beim Wintringer Hof sehe ich, wo sich in den letzten Jahrzehnten so viel verändert hat. Mit den Werkstätten für Menschen mit Behinderung hat’s begonnen, dann kam der Hofladen dazu, der inzwischen täglich öffnet, zuletzt der Landgasthof. Und dann ist dort die Wintringer Kapelle, die etwas ganz besonderes ausstrahlt. Ruhe. Ein Ort zum Ausruhen. Zum Innehalten. Schon seit vielen, vielen Jahrhunderten.

Ich weiß, was in den 1960er Jahren stattdessen dort entstehen sollte: Eine Neubausiedlung. Hunderte von Häusern sollten hier gebaut werden. Mehrere Pläne gab es. Für die Investoren hätte es sich gelohnt. Die Gartenstadt Wintringer Hof. Allein: Der Gemeinderat Bliesransbach unter Bürgermeister Bubel hat gegen alles gestimmt, was geplant wurde. „Gartenstadt Wintringer Hof“ verniedlichten die einen das Projekt. Von „Blies-Manhattan“ sprachen die Gegner des Projektes. In den 1960er Jahren war das. Doch Blies-Manhattan wurde nie gebaut. Wie gut.

Unsre Zeit in Gottes Händen. In dem Lied heißt es auch: Leben heißt, das Böse wenden und die Liebe weitertragen, jeden Tag die Zukunft wagen. Jeden Tag ein Zeichen geben, unsre Zeit ist unser Leben.

Wenn ich mir anschaue, was dort entstanden ist. bzw. erhalten wurde. Dann stimmen diese Sätze. Für mich, an diesem besonderen Ort.


Ja, wenn ich nach Bliesransbach reinfahre, freue ich mich immer wieder. Jeden Urlaub, den ich zurückkehre, schließe ich mit diesem Anblick ab. Und bin froh, zuhause zu sein. Von zuhause aus dem Fenster zu schauen, zur Wolfsbuche hoch. Zum Wald dort oben, davor die Wiese, auf der die Kühe grasen. Ich wohne gerne hier. Und es gibt oft Gelegenheit, dafür dankbar zu sein. Hier wohnen zu dürfen.

Ich glaube, das geht dort allen so. Und ich weiß ebenso, dass dieses positive Gefühl für alle einen Dämpfer erhalten hat. Mit Donnerwetter und Regensintflut wurde unser Idyll vor 2 Jahren weggeschwemmt. Seitdem wissen wir, wie wenig selbstverständlich ist, was wir hier haben und genießen. Wissen wir, was „das Böse“ auch sein kann. Leben heißt, das Böse wenden. Und viele haben genau daran gearbeitet. So viel Zusammenhalt in den Ortschaften. Da wurde gemeinsam vieles zum Guten gewendet. Auch das ist ein Grund zu danken.

An Erntedank denken wir an solche Augenblicke, an solche Erfahrungen. Keine Ernte ist selbstverständlich. Jeder Einsatz in den Obstplantagen, auf dem Feld, in Gewächshäusern usw. legt den Grund dafür, dass wir alle am Ende sagen können: Danke für die Ernte, Danke für das, was uns in diesem Jahr wieder geschenkt wurde. Danke auch dafür, dass Menschen jeden Tag die Zukunft wagen. Jeden Tag ein Zeichen setzen. Ja, unsere Zeit ist unser Leben. Danke, dass wir leben.

Nicht immer einfach, das wissen wir und umso beruhigender ist die andere Stelle des Liedes: Unsre Zeit in Gottes Händen, seine Liebe wird nie enden. Er wird uns begleiten, auch in schweren Zeiten. Auch dafür sagen wir Danke an einem solchen Tag und wissen bei allem: Wir sprechen von ganz zarten Pflänzchen. Diese Pflänzchen wollen gehegt und gepflegt werden. Sie sollen immer mehr Kraft gewinnen und irgendwann groß sein. Das betrifft unser Leben genauso im übertragenen Sinne wie die tatsächlichen Pflänzchen, mit denen wir es zu tun haben. Also, lassen wir uns nicht entmutigen. Arbeiten daran und sagen, nicht nur an diesem Sonntag: Danke für das alles, was überhaupt nicht selbstverständlich ist. Danke. Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Fürbitten und Vaterunser

Gott, du schenkst uns die Früchte des Lebens. Wir danken Dir dafür.

Du hast gesagt: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Solange die Erde steht, wird neues Leben erblühen.

Wir bitten dich für diese Erde, dass sie weiterhin viel Frucht bringt.

Wir bitten für uns alle, dass du unsere Wege begleitest, du Gott des Lebens, der Liebe und der Hoffnung. Du bist mit uns. Und auch dafür danken wir dir.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segen

Gott, segne und behüte uns. Lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden. Amen.

 

Lied 690 Auf Seele, Gott zu loben

1. Auf Seele, Gott zu loben, gar herrlich steht sein Haus! Er spannt den Himmel droben gleich einem Teppich aus.
Er fährt auf Wolkenwagen, und Flammen sind sein Kleid. Windfittiche ihn tragen, zu Diensten ihm bereit.

3. Vom Tau die Gräser blinken, im Wald die Quelle quillt, daraus die Tiere trinken, die Vögel und das Wild.
Die Vögel in den Zweigen lobsingen ihm in Ruh, und alle Bäume neigen ihm ihre Früchte zu.

4. Gott lässet Saaten werden zur Nahrung Mensch und Vieh; er bringet aus der Erde das Brot und sättigt sie.
Er sparet nicht an Güte, die Herzen zu erfreun. Er schenkt die Zeit der Blüte, gibt Früchte, Öl und Wein.

7. Lass dir das Lied gefallen. Mein Herz in Freuden steht. Dein Loblied soll erschallen solange mein Odem geht.
Du tilgst des Sünders Fehle und bist mit Gnade nah. Lob Gott, o meine Seele, sing ihm Halleluja.

05.10.2020