Angedacht

...von Pfarrer Josef Jirasek

Liebe Gemeinde, vor kurzem habe ich eine Sendung gesehen. Ein junger Kollege. Er nutzt die modernen Medien. Ich finde, sehr erfolgreich. Ich schaue es mir an, bin begeistert von seiner Art. Er spricht in die Kamera. Spricht den Menschen ins Herz. So sieht das aus. Ich denke, der ist in seiner Gemeinde sehr präsent. Er weiß, mit wem er es zu tun hat. Und er weiß um die Sorgen, die sich viele zur Zeit zu Recht machen.

 

Existentielle Sorgen, über die niemand einfach so hinweggehen kann, nach dem Motto „Ist schon nicht so schlimm“ oder „Wird schon vorbeigehen, wir haben schon Schlimmeres erlebt“.

 

Der aber genauso weiß, dass niemand hier die Situation einfach umkehren und dass man schon gar nicht irgend jemanden für die Entwicklungen der letzten Monate verantwortlich machen kann.

 

Darüber redet er. Im Internet. Auf seinem Kanal. Frei von der Leber weg, wie man so sagt. Mir hat’s gefallen. Vor allem, worauf seine Ansprache hinauslief. Ja, er hat die letzten Wochen angesprochen, viele Schwierigkeiten benannt. Und hat dann am Ende gesagt, dass ihm selbst auch die Argumente manchmal ausgehen. Dass er ratlos ist, verzweifelt, auch mal voller Wut. Dass er schon gar nicht irgendein Hilfekonzept auspacken kann.

 

Und dann formuliert er so eindrücklich seine Bitte: Bei alldem, was wir erleben, lasst euch nicht nur davon vereinnahmen. Versucht, euch gegenseitig Mut zu machen, euch zu stärken. Redet davon, was in letzter Zeit gelungen ist, auch ganz neu gelungen ist. Redet von den Dingen, die voller Zuversicht in die Zukunft blicken lassen. Und betet. Betet auch für mich. Ich kann das gut gebrauchen.

 

Dem Kollegen kann ich mich nur anschließen. Wir brauchen - gerade in dieser Zeit - bestärkende Worte. Wie die aus dem, in letzter Zeit so oft zitierten 2. Thessalonicherbrief, wo Paulus 4sagt, dass wir von Gott keinen Geist der Furcht mit auf den Weg bekommen haben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

 

Mir tun sie gut und ja: wenn Gebete gesprochen werden, kann das dem betenden Menschen gut tun, kann auch das ihn ruhig machen und stärken. Und Gebete, füreinander gesprochen, können ebenfalls etwas auslösen. Sie sind Zeichen dafür, dass man aneinander denkt, füreinander da ist.

 

Also: Lassen wir uns stärken und beten wir füreinander.

 

Ich grüße Sie von ganzem Herzen, wünsche Ihnen gesegnete Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2021

 

Ihr Josef Ladislav JIRASEK

18.12.2020