Quo Usque Tandem?

Gedanken von Herbert Poppek

"Wie lange noch?" Das fragt man sich mit 90+ fast täglich.

 

Inneren Frieden zu behalten, kann ein Gebot sein. Dennoch überkommen einen Zweifel, die immer öfter auftauchen. So alt werden wenige, deshalb soll man dankbar sein. Doch wem soll man danken? „Alt werden ist schön, aber nicht Altsein“, sagt eine weise Frau, die selbst das neunte Jahrzehnt überschritten hat.

 

So lange man sich noch gut bewegen kann, ist alles einfach und gut zu bewältigen. Wenn aber die Kraft nachlässt und man fühlt die beginnende Schwäche, dann kommt die Frage „Wie lange noch?“, schon akuter in den Sinn. Man denkt auch darüber nach, ob für den Abgang alles geregelt ist.

 

Ist dies der Fall, kann man in Ruhe sein Lebensende angehen.

 

Ein Restzweifel bleibt stets bestehen. Die Zeit wird mit jedem Tag kürzer, das Alter jedoch länger.

 

Solange man noch lesen und schreiben kann und den Computer bedienen, dann hat das Altern noch einen positiven Sinn. Doch bleibt die Frage im Raum: Quo usque tandem?

 

Zum Glück kann das niemand vorher bestimmen, will er kein Selbstmörder sein. Unser Leben ist von vielen Faktoren abhängig. Besonders aber vom großen Glück, es so weit geschafft zu haben. Dafür muss man auch selbst etwas tun.

 

Gesundheit fällt einem nicht in den Schoss, sagt man. Das ist wohl wahr, Kranksein überfällt einen mitunter plötzlich und ungewollt. Im Alter ganz besonders, weil die Widerstandskraft nachlässt. Körperliche Schwäche bedeutet nicht gleich geistige.

 

Der Lateiner sagt: „Mens sana in corpore sano" oder „Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper". Das stimmt nur bedingt. Je älter, um so reifer kann auch ein Kranker sein.

 

Und da kommt wieder das „Wie lange noch?" Wir wissen, dass wir nicht ewig leben, das Sterben jedoch will man möglichst lange hinauszögern. „Alles liegt in Gottes Hand“, sagt so mancher Christ, doch den Zeitpunkt weiß niemand gewiss. Jeder neue Lebenstag kann ein Gewinn sein. Darauf sollte sich auch unsere Hoffnung ausrichten. Unser Schicksal ist von Gott bestimmt und er ruft uns ab, wann es ihm gefällt.

Herbert Poppek, Weihnachten 2020

06.03.2021