Gottesdienstimpuls für den Sonntag Jubilate 2021 (25. April 2021)


Gottesdienstimpuls
  für Jubilate 2021

                          (Zoom-Gottesdienst)

 
Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Kor 5,17)

Eine neue Kreatur werden. Ein neues Geschöpf. Das ist schon ziemlich weitreichend und fast schon ein wenig beängstigend. Dass das Alte vergangen ist und etwas Neuem Platz gemacht hat. Das leuchtet schon eher ein. Was meint Paulus mit seinem Satz? Was können wir selbst damit anfangen? Wo ist uns etwas ganz neu geworden? Das war für Paulus - auch aus eigener Erfahrung - sicher nochmal etwas ganz anderes als für uns. Wobei das so oder so ganz individuelle Erfahrungen sind. Doch wo ist der Schnittpunkt? Gibt es den überhaupt?

Wir denken darüber nach. Wir denken über unseren Glauben nach in diesem virtuellen Gottesdienst, den wir wie alle unsere Gottesdienste feiern:

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes. Amen!


Der heutige Sonntag trägt den Namen „Jubilate“, „Jubelt“. Der 66. Psalm beginnt mit genau diesem Wort: Jubelt, jubilate. „Jubilate Deo, omnis terra.“ „Jubelt Gott zu, alle Völker der Erde!“ Und weiter heißt es dort:


Psalm 66, 1-9

Singt zur Ehre seines Namens, rühmt ihn mit eurem Lobgesang! Sagt zu Gott: »Wie überwältigend sind deine Taten! Alle Welt soll dich anbeten, alle sollen dir singen, dich mit ihren Liedern preisen!«  

Kommt her und seht, was Gott getan hat! Sein Tun erfüllt die Menschen mit Furcht und Staunen: Er machte das Meer zu trockenem Land, so dass wir zu Fuß hindurchgehen konnten. Darüber waren wir voll Freude! Er erhält uns am Leben und bewahrt uns vor dem Untergang.

Jubelt Gott zu, alle Völker der Erde! Ehr sei dem Vater.

♫ Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen ♫


Schuldbekenntnis

Auf den ersten Seiten der Bibel steht es: Wir sind nach dem Bild Gottes geschaffen.

Und deshalb sind wir nicht nur Menschen,
sondern Kinder Gottes sind wir und können einander behandeln wie Brüder und Schwestern.

Wo immer uns das nicht gelingt, rufen wir:
Gott, erbarme dich!


Gebet

Guter Gott, unsere Hilfe und Stärke,
lass unseren Glauben an dich in unserem alltäglichen Leben sichtbar und wirksam werden.
An deiner Schöpfung erkennen wir dich. An deiner Schöpfung, die so groß ist und so undurchschaubar, so wunderbar und überwältigend und doch auch so verletzlich. Unsere Verantwortlichkeiten liegen offen vor uns. Wir sind deine Ebenbilder. Uns hast du deine Schöpfung anvertraut. Lass uns immer in diesem Sinne denken und handeln. Damit es gut werde. Amen.


Lesung Gen 1, 1-4.27 - 2, 4

Am Anfang erschuf Gott Himmel und Erde, die ganze Welt. Die Erde war wüst und leer und Finsternis lag über dem Urmeer. Über dem Wasser schwebte Gottes Geist. Gott sprach: „Es soll Licht werden!“ Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war, und er trennte das Licht von der Finsternis.
Gott sprach: „Lasst uns Menschen machen – unser Ebenbild, uns gleich sollen sie sein! Sie sollen herrschen über die Fische im Meer und die Vögel am Himmel, über das Vieh und die ganze Erde.“

So schuf Gott den Menschen nach seinem Bild. Als Gottes Ebenbild schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: „Seid fruchtbar und vermehrt euch! Bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz!“ Und so geschah es. Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Abend und wieder Morgen – der sechste Tag. So wurden Himmel und Erde, die ganze Welt, vollendet mit allem, was darin ist. Am siebten Tag vollendete Gott sein Werk, das er gemacht hatte. An diesem Tag ruhte er aus von all seiner Arbeit, die er getan hatte. Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn zu einem heiligen Tag. Denn an diesem Tag ruhte er aus von all seinen Werken. Das ist die Entstehungsgeschichte von Himmel und Erde: So wurden sie geschaffen.


Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, der in der Schöpfung tanzt, der die Schöpfung und alle Geschöpfe liebt.

Ich glaube an Jesus Christus, unseren Bruder und Freund, der Mensch und menschlich war.
Ich glaube an Jesus Christus, der uns mit Liebe umarmt, der unser Herz und unsere Augen öffnet, der uns ermutigt und ermuntert, damit wir uns für Gerechtigkeit und Friede einsetzen, der uns Frieden und Segen versprochen und zurückgelassen hat, damit auch wir Frieden und Segen verschenken und verteilen.

 

Ich glaube an die Heilige Geistkraft, die unser Leben mit Hoffnung erschüttert, die uns ermutigt Schwache, an den Rand Gedrängte mit Liebe zu segnen, die uns ermächtigt für das Leben einzustehen, die uns ermuntert geschwisterlich, menschlich zu wirken,
die uns auf allen Wegen begleitet und trägt,
die uns treu ist und uns tröstet.

Ich glaube an Gott, der in der Schöpfung tanzt, der die Schöpfung und alle Geschöpfe liebt. Amen


Lied 110 Die ganze Welt, Herr Jesu Christ

1. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja, in deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja, Halleluja.

2. Das himmlisch Heer im Himmel singt, Halleluja, Halleluja, die Christenheit auf Erden klingt. Halleluja, Halleluja.

3. Jetzt grünet, was nur grünen kann, Halleluja, Halleluja, die Bäum zu blühen fangen an. Halleluja, Halleluja.

4. Es singen jetzt die Vögel all, Halleluja, Halleluja, jetzt singt und klingt die Nachtigall. Halleluja, Halleluja.

5. Der Sonnenschein jetzt kommt herein, Halleluja, Halleluja, und gibt der Welt ein’ neuen Schein. Halleluja, Halleluja.

6. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja, in deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja, Halleluja.

(Text Friedrich Spee von Langenfeld 1623, Melodie Köln 1623)


Ein paar Gedanken zum Sonntag Jubilate

So schuf Gott den Menschen nach seinem Bild. Als Gottes Ebenbild schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie. Er sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Abend und wieder Morgen – der sechste Tag.

So steht’s in der Schöpfungsgeschichte. Einige glauben, es ist genau so geschehen. Andere sagen, das ist doch der absolute Unsinn. Die hatten damals keinen Sachverstand. Waren nicht so naturwissenschaftlich gebildet wie wir heute. Die Erde und alles darauf entstand durch Urknall, Evolution usw..

Aber das ist ist meine Frage überhaupt nicht. Solche Erzählungen wie dieser Schöpfungsmythos wollen ja doch ganz anderes sagen. Ein Mythos, ja. Aber doch auch von Leuten erzählt, die durchaus naturwissenschaftliches Wissen mitbrachten. Immerhin zu einer Zeit, da schon beispielsweise Gebäude entstanden waren, die bis heute immer noch zu bewundern sind. Wer möchte das von einem unserer heutigen Bauwerke prognostizieren, dass es noch in mehr als 6 Jahrtausenden von Menschen bestaunt werden könnte. Wir sind doch schon mit 6 Jahrhunderten sehr froh. Die denkmalgeschützte Fechinger Talbrücke hat’s gerade mal auf 53 Jahre gebracht, ehe ihr bauartbedingte Schäden diagnostiziert wurden.  Also dass die damals keine Ahnung hatten und deshalb eine Schöpfungsgeschichte erfunden hätten, das will ich so nicht gelten lassen. Und wenn ich mir anschaue, was alles vor dem Menschen in diesem Mythos entstanden ist. Die Welt aus dem Chaos, dem Tohuwabohu, die Erde, die Gestirne, Pflanzen und dann die Tiere. Dann sag ich: So ganz unbedarft waren die doch ganz offensichtlich doch nicht. Die Reihenfolge trifft es doch ganz gut. Oder? Am Ende dann die Menschen. Krone der Schöpfung? Na ja. Udo Lindenberg hat mal gesungen, dass ihnen gesagt wurde: „Macht Euch die Erde untertan.“ Und der Mensch entsprechend reagierte und sagte: „Ok, dann machen wir sie runter. Fangen wir gleich mit an.“ Und es geschieht, was geschehen musste. Was wir alle heute sehen und fast ohnmächtig hinnehmen: Die Er-Schöpfung der Erde. Und was für ein Ende hat dann dieses Lied „Sündenknall“ von Udo Lindenberg. Theologisch höchst bedenkenswert. Die Stimme aus dem Off ertönt. Eine menschliche Stimme. Voller Arroganz und bedrohlich: Jetzt erschaffen wir Gott. Jetzt sind wir selber Gott.

Udo, Du hast es auf den Punkt getroffen. Genau darum gehts. Eine Arroganz, die keinem Menschen zusteht. Die Schöpfung ist und bleibt ein Geschenk. Ist und bleibt unserer Verantwortung übertragen. Nicht wir selbst, kein einziger Mensch ist Schöpfer. Diese Erde und alles, was darinnen ist, ist Gottes Werk. Und den siebten Tag können wir uns gerne Zeit nehmen, darüber immer wieder nachzudenken und die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. So kann immer wieder etwas Neu werden, kann etwas neu angestoßen werden. Nur das ist und bleibt auch immer bestehen: Keiner hat das Recht auf andere zu zeigen, wenn aus der Schöpfung eine Er-Schöpfung wird. So wie Adam auf Eva gewiesen. Und die auf die Schlange. Sie waren alle drei selbst verantwortlich für ihr Handeln. Wir sind alle selbst verantwortlich für unser Handeln. Wovon ist es bestimmt?

Irgendwann stellte jemand die Frage, was den Unterschied ausmache zwischen Tier und Mensch. Ruhelosigkeit war’s. Das hat er rausgefunden. Ruhelosigkeit des Menschen. Alle Lebewesen kennen einen Zustand der absoluten Ruhe, bei dem der Herzschlag langsamer wird, die Körperfunktionen reduziert werden, so dass eine Art Halbschlaf eintritt, der energiesparend und erholsam ist.

Wir kennen so einen Zustand nicht. Wir können uns nicht wie ein Flamingo auf ein Bein stellen, können nicht einfach auf halbe Kraft stellen und verweilen. Wenn wir uns ausruhen, muss es bequem sein: Kissen aufschütteln, Beine hochlegen, Heizungen an oder Klimaanlage. Einen Tee trinken, eine Zigarette rauchen, um zur Ruhe zu kommen. Wir sind sozusagen ein rastloses Tier. Nach der Vertreibung aus dem Paradies haben wir die göttliche Fähigkeit der Ruhe verloren. Aber die Sehnsucht danach ist immer geblieben. Unser Sonntag mit der Sonntagsruhe ist fast weltweit etwas Selbstverständliches, auch wenn dieser Tag der Ruhe auf einen anderen Wochentag fällt. Ursprünglich war’s ja auch der Sabbat, der Samstag. Ja, nachdem Gott die Welt erschaffen hatte, kümmerte er sich einen Tag, am 7. Tag, um gar nichts mehr und gönnte sich nur sich selbst. Auch das gehört zur Schöpfungsgeschichte: Nicht nur ein Mensch, der tätig ist, sondern auch ein Mensch, der in sich ruht, kann Vorbild sein. Also, denken wir daran, denk daran: Gönne dich dir selbst! Und tanke so Kraft, Neues zu tun und Neues zuzulassen. Als Kind Gottes, von Gott zum Ebenbild erkoren. Amen.

Und der Friede Gottes, der viel höher ist als alle unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen


Fürbitten und Vaterunser   

Guter Gott,

Abschied nehmen. Das bringt unser Leben durcheinander. Da bleibt kein Raum für Routine. Unruhe kehrt ein und zugleich besinnen wir uns auf das Wesentliche.

Schenke allen, die an vergangene Zeiten, vergangene Begegnungen denken, Zeit, um sich zu besinnen. Um das Schöne zu erinnern, was man erlebte.

Du Gott der Ruhe und des Friedens,
hilf uns zu erkennen, dass jede Stunde, jede Nacht, jeder Tag ein Geschenk ist, ein Geschenk, das wir aus deiner Hand erhalten haben, ein wertvolles Geschenk, das wir mit Freude entgegennehmen können.
Hilf uns, mit unseren Herzen und Sinnen bei uns und bei den Menschen zu sein, denen wir begegnen. Hilf uns, Ruhe zu finden im Vertrauen darauf, dass unser Schicksal, unsere Gegenwart und unsere Zukunft in deiner Hand liegen, und dass wir deshalb auch alle gut aufgehoben sind. Gott, schenke uns deinen Frieden.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!


Segen

Gott, segne uns und behüte uns. Lasse dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden.


Lied 432 Gott gab uns Atem

1. Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

2.  Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

3. Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

(Text Eckart Bücken 1982, Melodie Fritz Baltruweit 1982)

27.04.2021